Schweizer Gesundheitswesen digital: Leitfaden 2026
Das Schweizer Gesundheitswesen steht 2026 an einem konkreten Wendepunkt: Die Infrastruktur ist geplant, die gesetzlichen Grundlagen sind gelegt, doch die operative Umsetzung bleibt heterogen. Drei Handlungsfelder sind jetzt prioritär.
Handlungsfeld 1: Interoperabilität und Standards. Das Elektronische Patientendossier (EPD) wird durch das Elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) abgelöst. FHIR-Schnittstellen sind seit Juni 2025 gesetzlich verankert. Praxissoftware muss diese Standards heute schon unterstützen.
Handlungsfeld 2: Praxisintegration und Abrechnung. Seit 1. Januar 2026 gilt TARDOC. Die Umstellung von TARMED auf das neue Tarifsystem erfordert aktive Systemanpassungen und laufendes Monitoring der Abrechnungen.
Handlungsfeld 3: Vertrauen und Change Management. Nur 29 % der Ärzte stehen dem EPD positiv gegenüber. Akzeptanz entsteht über konkreten Arbeitsalltagsnutzen, nicht über abstrakte Datenschutzversprechen.
Operative Sofort-Tasks (1–3 Wochen):
- Bestandsaufnahme aller Schnittstellen (Labor, Radiologie, PACS, Abrechnung)
- Abrechnungs-Check: TARDOC-Kompatibilität der eingesetzten Software prüfen
- Datenschutz-Lückenanalyse gemäss revDSG durchführen
Drei-Punkte-Checkliste für Entscheider:
- FHIR-Readiness der Praxissoftware bestätigen
- TARDOC-Übergangsprobleme aktiv überwachen
- Stakeholder-Mapping auf kantonaler Ebene starten
Wie weit ist die digitale Transformation im Schweizer Gesundheitswesen?
Per Ende Februar 2026 wurden in der Schweiz 132’509 EPD eröffnet. Das entspricht rund 1,3 % der Bevölkerung. Die Verbreitung ist stark regional geprägt: Neuenburg (5,2 %) und Genf (2,9 %) führen, Uri liegt unter 0,1 %. Von den Spitälern sind 88 % angeschlossen, von den Arztpraxen erst 22 %.
Statistische Einordnung: 66 % der Bevölkerung stehen dem EPD offen gegenüber. Bei den Ärzten sind es nur 29 %. Diese Lücke ist der zentrale Hebel für Entscheider.
Die drei wichtigsten Programme prägen den Zeithorizont bis 2034:
| Programm | Zeitraum | Kernziel |
|---|---|---|
| E-GD (Ablösung EPD) | Einführung ca. 2030 | Automatisches Dossier für alle, Opt-out-Mechanik |
| DigiSanté / SwissHDS | 2025–2034 | Dezentrale Gesundheitsdateninfrastruktur |
| TARDOC / Ambulante Pauschalen | Ab 1. Januar 2026 | Neues Tarifsystem für ambulante Leistungen |
Das E-GD wird allen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz automatisch und kostenlos bereitgestellt. Wer kein Dossier möchte, kann widersprechen oder es löschen lassen. Der Bund verantwortet Beschaffung und Infrastruktur, die Kantone tragen die Betriebskosten. DigiSanté setzt auf eine föderierte Gesundheitsdateninfrastruktur mit Data-Mesh-Ansatz: Daten bleiben dezentral, werden aber nach einheitlichen Standards strukturiert erfasst und ausgetauscht.
Was müssen Praxen zu Datenschutz, Tarifen und Finanzierung wissen?
Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) gilt seit September 2023. Für Praxen bedeutet das konkret: Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten führen, Datenschutz-Folgeabschätzungen bei risikoreichen Bearbeitungen durchführen und IT-Verträge mit Auftragsbearbeitungsklauseln versehen. Gesundheitsdaten gelten als besonders schützenswert; die Einwilligungspflichten sind strenger als im alten Recht.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel liefert allgemeine Praxisinformationen, keine Rechtsberatung. Für Ihre konkrete Situation empfiehlt sich die Konsultation einer auf Gesundheitsrecht spezialisierten Fachperson.
Beim Tarifsystem ist die Lage komplex. TARDOC und Ambulante Pauschalen ersetzen seit 1. Januar 2026 Teile von TARMED. Das neue System umfasst deutlich weniger Tarifpositionen als im früheren System. Pauschalen gelten für aufwändigere Behandlungen, Einzelleistungen für den Rest. Die FMCH warnt vor einer bestehende Taxpunkt-Obergrenzen für ärztliche Leistungen im Grundversicherungsbereich, was Teilzeitmodelle und Belegärzte besonders betreffen kann.
Konkrete Handlungsaufträge für Praxen:
- Datenschutz-Verzeichnis auf revDSG-Anforderungen aktualisieren
- IT-Verträge auf Auftragsbearbeitungsklauseln prüfen
- Abrechnungssoftware auf TARDOC-Kompatibilität testen
- Budgetplanung für Übergangsphase mit erhöhtem Monitoring-Aufwand anpassen
- Finanzierungsmodelle für E-GD-Anbindung mit Kanton klären
Die Finanzierung der E-GD-Infrastruktur teilen sich Bund (Beschaffung, Betrieb) und Kantone (laufende Betriebskosten, Gemeinschaftsbetrieb). Für Praxen entstehen Kosten hauptsächlich durch Softwareanpassungen und Schulungen.
Welche technischen Standards und Schnittstellen sind jetzt entscheidend?
Der SwissHDS-Ansatz (Swiss Health Data Space) ist das technische Fundament von DigiSanté. Das Kernprinzip: Daten werden an der Quelle strukturiert erfasst, dezentral gespeichert und über einheitliche Schnittstellen ausgetauscht. Für Praxissoftware bedeutet das konkret, dass strukturierte Felder, FHIR-Mapping und automatischer Upload ins E-GD bereits heute vorbereitet werden müssen.
Architekturprinzip: Nicht die Verfügbarkeit einzelner Apps entscheidet über den Erfolg, sondern ein dezentraler, standardisierter Gesundheitsdatenraum mit praxisnahen Schnittstellen. SwissHDS ist dieser Raum.
HL7 FHIR ist der zentrale Interoperabilitätsstandard. FHIR-Schnittstellen sind seit Juni 2025 gesetzlich für die EPD-Anbindung verankert. Das künftige E-GD baut ebenfalls auf FHIR auf. IHE-Profile (Integrating the Healthcare Enterprise) ergänzen FHIR für spezifische Anwendungsfälle wie Laborberichte oder Bildgebung.
| Technischer Baustein | Funktion | Priorität für Praxen |
|---|---|---|
| HL7 FHIR | Datenaustausch EPD/E-GD | Hoch (gesetzlich verankert) |
| IHE-Profile | Strukturierte Dokumente (Labor, Radiologie) | Mittel |
| SwissHDS | Föderierte Dateninfrastruktur | Strategisch (ab 2025–2034) |
| E-GD-Connector | Anbindung ans neue Dossier | Hoch (ab 2030) |
Checkliste für IT-Verantwortliche in Praxen:
- FHIR-Schnittstelle der Praxissoftware bestätigen und dokumentieren
- Labor-API auf strukturierte Datenübergabe prüfen
- PACS/Radiologie-Anbindung auf IHE-Konformität testen
- Abrechnungstools auf TARDOC-Datenmodell abstimmen
- E-GD-Connector-Roadmap beim Softwareanbieter anfragen
Profi-Tipp: Fragen Sie Ihren Softwareanbieter schriftlich, bis wann eine FHIR-konforme E-GD-Schnittstelle verfügbar ist. Halten Sie die Antwort im SLA fest. Wer heute auf FHIR setzt, hat bei der Migration zum E-GD deutlich weniger Aufwand.
Wer trägt welche Verantwortung: Bund, Kantone und Tarifpartner
Die Governance im Schweizer Gesundheitswesen ist föderalistisch und damit komplex. Entscheider müssen wissen, wer welche Aufgabe trägt.
| Akteur | Verantwortungsbereich |
|---|---|
| BAG (Bundesamt für Gesundheit) | Gesetzgebung, E-GD-Beschaffung, Tarifsystem |
| eHealth Suisse | Koordination, Standards, FHIR-Spezifikationen |
| FMH | Vertretung Ärzteschaft, Tarifverhandlungen |
| OAAT AG / prio.Swiss / H+ | Tarifpartner TARDOC/Ambulante Pauschalen |
| Kantone | Betriebskosten E-GD, Gemeinschaftsbetrieb, Kommunikation |
| Praxissoftware-Anbieter | Technische Umsetzung Standards, Schnittstellen |
Föderalistische Realität: Der «Röstigraben» ist kein Klischee, sondern messbar. Westschweizer Kantone sind bei der EPD-Vernetzung weiter als Teile der Deutschschweiz. Kantonale Unterstützung und Finanzierung entscheiden über das Tempo der Umsetzung.
Die Bevölkerung vertraut Ärzten beim Umgang mit Gesundheitsdaten deutlich mehr als anderen Akteuren: 84 % sprechen Ärzten ihr Vertrauen aus, während Krankenkassen und Behörden deutlich niedrigere Werte erreichen. Das ist eine strategische Ressource, die Entscheider aktiv nutzen können.
Operative Empfehlung: Erstellen Sie ein Stakeholder-Map für Ihren Kanton. Identifizieren Sie den zuständigen Ansprechpartner bei der kantonalen Gesundheitsbehörde, der EPD-Stammgemeinschaft und dem Softwareanbieter. Definieren Sie klare Eskalationspfade für technische und regulatorische Fragen.
Profi-Tipp: Nehmen Sie Kontakt mit Ihrer kantonalen EPD-Stammgemeinschaft auf, bevor Sie mit der E-GD-Vorbereitung beginnen. Die Stammgemeinschaften kennen die lokalen Finanzierungsmodelle und können Übergangspläne koordinieren.
Welche Barrieren bremsen die Umsetzung, und was beschleunigt sie?
Die häufigste Barriere ist nicht die Technologie, sondern die fehlende Integration in den Arbeitsalltag. Das EPD wurde von vielen Ärzten als administrativer Mehraufwand erlebt, ohne klaren Nutzen für die Patientenversorgung. Die Zustimmung sank auf 29 % unter Ärzten. Das ist ein Warnsignal für jede neue digitale Initiative.
Typische Barrieren:
- Fehlende Workflow-Integration: Digitale Tools laufen parallel, nicht eingebettet
- Erhöhter Dokumentationsaufwand ohne direkten Nutzen
- Heterogene Kantonslösungen erschweren übergreifende Prozesse
- Finanzierungslücken bei kleinen Praxen für Implementierungskosten
- Mangelnde Schulung und Begleitung bei der Einführung
Erfolgsfaktoren:
- Praxisnahe Schnittstellen, die bestehende Workflows ergänzen statt ersetzen
- Klare Zeitersparnis messbar machen (z. B. automatische Laborwert-Übernahme)
- Kantonale Unterstützung und Finanzierungszusagen früh sichern
- Weiterbildungsangebote für das gesamte Praxisteam einplanen
- Abrechnungsvorteile durch TARDOC-Automatisierung kommunizieren
Vertrauen entsteht über konkreten Nutzen im Arbeitsalltag. Zeitersparnis, weniger Abrechnungsfehler und bessere Patientendaten überzeugen Ärzte mehr als abstrakte Datenschutzversprechen.
Profi-Tipp: Setzen Sie Pilotprojekte mit messbaren Kennzahlen auf: Zeitaufwand pro Patient vor und nach der Einführung, Anzahl Abrechnungskorrekturen pro Monat, Patientenzufriedenheit (z. B. via Kurzumfrage). Ohne Messgrössen bleibt der Nutzen unsichtbar und die Akzeptanz fragil.
Wo liefert die Digitalisierung heute schon messbaren Nutzen?
Telemedizin in der Grundversorgung ist der am weitesten verbreitete Use Case. Videokonsultationen reduzieren Wegzeiten für Patienten und ermöglichen Nachkontrollen ohne Praxisbesuch. Für Hausarztpraxen ist das besonders relevant: Chronisch kranke Patienten profitieren von regelmässigen Telemonitoring-Checks ohne Kapazitätsbelastung.
Konkrete Use Cases mit KPI-Sets:
-
Telemedizin / Videokonsultation
- KPI: Anteil Konsultationen ohne Praxisbesuch, Wartezeit bis Termin
- Zielwert: Reduktion der Wartezeit um messbare Tage
-
Automatisierte Laboranbindung
- KPI: Zeit zwischen Blutentnahme und Befund im Dossier, manuelle Dateneingaben
- Zielwert: Manuelle Eingaben auf null reduzieren
-
Integrierte Medikationsliste im E-GD
- KPI: Anzahl Medikationsinteraktionen erkannt, Doppelverschreibungen
- Zielwert: Vollständige Medikationsübersicht bei jedem Patientenkontakt
-
Ambulante Pauschalen-Abrechnung (TARDOC)
- KPI: Abrechnungsfehlerquote, Zeit bis Vergütung durch Versicherer
- Zielwert: Fehlerquote unter 2 % nach Einarbeitungsphase
Praxisrealität: Frühe Pauschalabrechnungen unter TARDOC zeigen erhöhte Fehleranfälligkeit. Praxen sollten mit einer Übergangsphase von mindestens sechs Monaten rechnen, in der Abrechnungen engmaschig geprüft werden müssen.
Für Therapeuten bietet die digitale Praxisverwaltung zusätzliche Vorteile: Online-Terminbuchung, automatische SMS-Erinnerungen und strukturierte Behandlungsdokumentation reduzieren den Verwaltungsaufwand spürbar.
Wie planen Praxen die Umsetzung in den nächsten 6–24 Monaten?
Ein realistischer Fahrplan folgt vier Phasen. Entscheider, die alle vier Phasen strukturiert durchlaufen, vermeiden die häufigsten Fehler bei Migrationen.
- Ist-Analyse (Monat 1–2): Alle Schnittstellen dokumentieren, TARDOC-Kompatibilität prüfen, revDSG-Lückenanalyse abschliessen, Stakeholder-Map erstellen.
- Pilotphase (Monat 3–6): FHIR-Schnittstelle aktivieren, TARDOC-Abrechnung mit Monitoring starten, erste Telemedizin-Konsultationen einführen, Messgrössen erheben.
- Rollout (Monat 7–12): Labor- und PACS-APIs vollständig integrieren, Schulungen für alle Mitarbeitenden abschliessen, E-GD-Connector-Roadmap mit Anbieter fixieren.
- Monitoring und Anpassung (Monat 13–24): KPIs quartalsweise auswerten, TARDOC-Abrechnungen bereinigen, E-GD-Migration vorbereiten, Budgetplanung für 2030 aktualisieren.
Prioritätenmatrix:
| Massnahme | Nutzen | Aufwand | Priorität |
|---|---|---|---|
| TARDOC-Abrechnung aktivieren | Hoch | Mittel | Sofort |
| FHIR-Schnittstelle EPD | Hoch | Mittel | Kurzfristig |
| Labor-API integrieren | Mittel | Gering | Kurzfristig |
| E-GD-Connector vorbereiten | Hoch | Hoch | Mittelfristig |
| SwissHDS-Anbindung | Strategisch | Hoch | Langfristig |
Budgetorientierung: Typische Posten sind Softwarelizenz und Modulerweiterungen, Integrationsprojekte (Labor, PACS), Schulungskosten pro Mitarbeitenden sowie laufende Monitoring-Aufwände in der TARDOC-Übergangsphase. Finanzierungsbeiträge der Kantone für E-GD-Anbindungen sind kantonal unterschiedlich; frühzeitige Klärung lohnt sich.
Profi-Tipp: Verlangen Sie von Ihrem Softwareanbieter einen schriftlichen SLA mit konkreten Fristen für TARDOC-Updates, FHIR-Konformität und E-GD-Connector-Verfügbarkeit. Vage Zusagen sind kein Schutz bei Übergangsproblemen.
Checkliste Vertrags- und SLA-Punkte:
- TARDOC-Update-Fristen und Haftung bei Abrechnungsfehlern
- FHIR-Konformitätszertifikat oder Roadmap
- Datenhaltung in der Schweiz (revDSG-konform)
- Kündigungsfristen und Datenmigration bei Anbieterwechsel
- Support-Reaktionszeiten bei kritischen Systemausfällen
Wie adressiert cloudbasierte Praxissoftware die CH-Anforderungen?
Medicloudmed ist ein konkretes Beispiel dafür, wie eine cloudbasierte Arztpraxis-Software die regulatorischen und technischen Anforderungen des Schweizer Gesundheitswesens abdeckt.
Kernfunktionen mit Bezug zu CH-Anforderungen:
- Abrechnung nach TARMED, TARDOC, Tarif 590 und SwissDRG
- Elektronische Patientenakte mit strukturierten Feldern für FHIR-Mapping
- API-Schnittstellen zu Laboren, Radiologie und PACS-Systemen
- Online-Terminbuchung und SMS-Erinnerungen zur Reduktion von Ausfällen
- Impfmanagement und Behandlungsdokumentation
- Modularer Aufbau: nur benötigte Funktionen aktivieren
Praxisrelevanz: Wer heute auf FHIR-konforme Praxissoftware setzt, reduziert den Migrationsaufwand beim Übergang vom EPD zum E-GD erheblich. Bestehende FHIR-Schnittstellen können laut eHealth Suisse mit geringem Aufwand auf das neue System umgestellt werden.
Die TARDOC-Einführung erfordert aktives Monitoring der Abrechnungen. Automatisierte Abrechnungstools, die Pauschalen und Einzelleistungen korrekt zuordnen, reduzieren die Fehlerquote in der Übergangsphase. Medicloudmed unterstützt beide Abrechnungsmodelle und ermöglicht laufende Kontrolle der Tarifpositionen.
| Anforderung | Medicloudmed-Funktion |
|---|---|
| TARDOC-Abrechnung | Automatisierte Tarifzuordnung, Pauschalen und Einzelleistungen |
| EPD/E-GD-Readiness | FHIR-Schnittstelle, strukturierte Datenfelder |
| revDSG-Compliance | Datenhaltung Schweiz, Zugriffsprotokollierung |
| Labor/PACS-Integration | API-Schnittstellen, automatische Befundübernahme |
| Telemedizin-Unterstützung | Online-Terminbuchung, digitale Konsultationsdokumentation |
Profi-Tipp: Testen Sie vor der Einführung mit realen Abrechnungsdaten aus Ihrer Praxis. Synthetische Testdaten decken praxisspezifische Sonderfälle oft nicht ab. Ein strukturierter Abnahmetest mit 50–100 realen Fällen gibt Ihnen Sicherheit.
Was sollten kantonale und nationale Entscheider jetzt umsetzen?
Die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens braucht klare politische Prioritäten. Folgende Massnahmen haben den grössten Hebel.
Priorisierte Massnahmen:
- FHIR-Standardisierung verbindlich machen: Alle Praxissoftware-Anbieter auf FHIR-Konformität verpflichten, mit klaren Fristen und Zertifizierungsanforderungen.
- Finanzierung klären: Kantone müssen Beiträge für E-GD-Anbindung kleiner Praxen früh kommunizieren, damit Budgetplanung möglich ist.
- Migrationsförderung EPD→E-GD: Praxen, die heute FHIR-konform angebunden sind, brauchen keine Neuimplementierung. Diesen Vorteil kommunizieren und als Anreiz nutzen.
- Vertrauensfördernde Massnahmen: Ärzte als Botschafter einsetzen. Peer-to-Peer-Erfahrungsaustausch wirkt stärker als Behördenkommunikation.
- Monitoring-KPIs definieren: EPD-Abdeckung, TARDOC-Fehlerquoten und E-GD-Anschlussraten quartalsweise publizieren.
Policy-Empfehlung: Die Opt-out-Mechanik des E-GD ist ein Paradigmenwechsel gegenüber dem EPD. Kantone müssen die Bevölkerung vor der Eröffnung persönlich und umfassend informieren. Das ist gesetzliche Pflicht und gleichzeitig die grösste Chance, Vertrauen aufzubauen.
Für die Tarifreformen gilt: TARDOC-Anpassungen müssen jährlich überprüft werden. Die OAAT AG als Tarifpartner nimmt Anträge entgegen. Praxen sollten Abrechnungsanomalien systematisch dokumentieren und über die FMH oder Fachgesellschaften in den Anpassungsprozess einbringen.
Profi-Tipp: Richten Sie auf kantonaler Ebene einen jährlichen Digital-Health-Review ein. Laden Sie Vertreter von Praxen, Spitälern, Softwareanbietern und der Stammgemeinschaft ein. Dieser Austausch liefert praxisnahe Rückmeldungen, die politische Entscheide besser informieren als reine Statistiken.
Digitalisierung gelingt nur, wenn sie den Praxisalltag wirklich entlastet
Die grösste Fehlannahme bei Digitalisierungsprojekten im Gesundheitswesen ist, dass gute Technologie sich von selbst durchsetzt. Das EPD hat gezeigt, dass selbst sinnvolle Infrastruktur scheitert, wenn sie den Arbeitsalltag nicht spürbar erleichtert.
Was in der Praxis wirklich zählt: Migrationen scheitern selten an der Technik. Sie scheitern an schlechter Datenqualität im Ausgangssystem, an unzureichender Schulung und an fehlenden Ansprechpartnern in der Übergangsphase. Wer eine neue Praxissoftware einführt, sollte drei Dinge von Anfang an sicherstellen: saubere Stammdaten, ein klares Schulungskonzept für alle Mitarbeitenden und einen definierten Eskalationspfad für technische Probleme.
Die TARDOC-Einführung ist ein gutes Beispiel für die Komplexität solcher Übergänge. Pauschalen und Einzelleistungen laufen parallel, die Fehleranfälligkeit ist in den ersten Monaten erhöht. Praxen, die das aktiv monitoren, erkennen Probleme früh. Wer wartet, bis Versicherer Rückfragen stellen, hat bereits Aufwand produziert.
Beim Vertrauen gilt: Ärzte überzeugen andere Ärzte. Wenn ein Kollege berichtet, dass die automatische Laborwert-Übernahme ihm täglich 20 Minuten spart, ist das wirksamer als jede Behördenkampagne. Entscheider sollten diese Peer-Dynamik bewusst nutzen und interne Botschafter aufbauen.
Medicloudmed unterstützt Praxen beim operativen Übergang
Wer die TARDOC-Umstellung und die E-GD-Vorbereitung gleichzeitig angehen muss, braucht eine Praxissoftware, die beide Anforderungen heute schon abdeckt. Medicloudmed ist eine cloudbasierte Praxislösung für Ärzte, Therapeuten und Notfallpraxen in der Schweiz, die TARMED, TARDOC und SwissDRG unterstützt und FHIR-konforme Schnittstellen zu Labor, Radiologie und PACS bietet. Der modulare Aufbau bedeutet: Sie aktivieren nur, was Sie brauchen, ohne langfristige Vertragsbindung. Die Datenhaltung erfolgt in der Schweiz, revDSG-konform. Für Praxen, die jetzt mit der E-GD-Vorbereitung beginnen wollen, bietet Medicloudmed eine strukturierte Einführungsbegleitung. Vereinbaren Sie eine Demo unter calendly.com/medicloudmed.
Wichtige Quellen und weiterführende Dokumente
Die folgenden Quellen sind für Entscheider im Schweizer Gesundheitswesen direkt relevant:
- BAG: Elektronisches Gesundheitsdossier — Offizielle Grundlage für E-GD-Planung, Governance und Zeitachse. Pflichtlektüre für alle, die E-GD-Projekte budgetieren.
- BAG: TARDOC und Ambulante Pauschalen — Verbindliche Grundlage für Abrechnungsplanung ab 2026. Enthält Tarifstruktur und Übergangsregelungen.
- eHealth Suisse: Aktueller Stand EPD — Aktuelle Verbreitungszahlen, FHIR-Spezifikationen und Übergangsplanung EPD→E-GD.
- Swiss E-Health Barometer 2026 (GFS Bern) — Empirische Daten zu Vertrauen, Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft. Relevant für Change-Management-Planung.
- DigiSanté / SwissHDS Programmreferat — Technische Architektur SwissHDS und Data-Mesh-Ansatz. Relevant für IT-Leiter und Softwareanbieter.
- FMCH: Stellungnahme TARDOC-Höchstgrenze — Warnung vor Nebenwirkungen der Taxpunkt-Obergrenze. Relevant für Fachgesellschaften und Belegärzte.
- Medinside: EPD-Röstigraben — Analyse regionaler Unterschiede bei EPD-Einführung. Relevant für kantonale Entscheider.
- BFS: Legislaturindikator EPD — Offizielle Verbreitungsstatistiken EPD nach Kanton und Einrichtungstyp.
Für den schnellen Einstieg: BAG-Seite zum E-GD für Strategie und Governance, Swiss E-Health Barometer für Vertrauens- und Akzeptanzdaten, eHealth Suisse für technische FHIR-Spezifikationen.


